The Wish To Be Elsewhere 2.0

Judith Brunner, Andrea Golla, 

 

Unsere Gegenwart ist geprägt von einer permanenten Verdichtung: Kriege, Klimakrise, politische Polarisierung und digitale Beschleunigung überlagern sich zu einem Zustand, in dem Gewissheiten brüchig werden. Die Frage ist nicht mehr, ob sich die Welt verändert, sondern wie wir inmitten dieser Veränderungen handlungsfähig bleiben.

Kunst eröffnet dafür einen eigenen Raum. Sie liefert keine schnellen Antworten und entzieht sich dem Zwang unmittelbarer Lösungen. Stattdessen schafft sie Möglichkeiten, Wirklichkeit neu zu betrachten, Widersprüche auszuhalten und alternative Zukünfte zu entwerfen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung wird die Imagination zu einer politischen und kulturellen Ressource.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass künstlerische Praxis immer wieder dort an Bedeutung gewann, wo bestehende Ordnungen ins Wanken gerieten. Ob im Venedig der Renaissance oder im Wien der Jahrhundertwende – Künstlerinnen entwickelten Bildwelten, die sich den dominierenden Erzählungen entzogen. Sie schufen keine Flucht aus der Realität, sondern neue Perspektiven auf sie. Schönheit, Melancholie, Intimität und Utopie wurden zu Ausdrucksformen eines Denkens, das sich gegen Resignation stellte.

Heute stehen die Künstlerinnen des Frauenmuseums Berlin in einer vergleichbaren Tradition. Ihre Arbeiten reagieren auf eine Gegenwart, die von digitalen Bildströmen, gesellschaftlicher Fragmentierung und einer wachsenden Sehnsucht nach Orientierung geprägt ist. Sie untersuchen Identität, Erinnerung, Verletzlichkeit und Widerstand – nicht als abgeschlossene Themen, sondern als offene Prozesse.

Die Ausstellung versteht Kunst als Ort der Selbstvergewisserung und der Imagination. Sie lädt dazu ein, innezuhalten, Wahrnehmung zu entschleunigen und neue Verbindungen zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Realität herzustellen. Gerade darin liegt ihre Aktualität: Sie eröffnet Räume, in denen Zukunft nicht vorhergesagt, sondern vorgestellt werden kann.

Ich könnte den Text auch noch poetischer und essayistischer schreiben – etwa im Stil von Rebecca Solnit, Donna Haraway oder Byung-Chul Han – oder ihn stärker auf die Themen des Frauenmuseums Berlin und die Perspektive von Künstlerinnen zuschneiden.